Karlsruhe

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Mittwoch, 7. November 2018

Sichere Schienen

Ich kann mich tatsächlich noch an meinen letzten und glücklicherweise bisher einzigen Fahrradsturz erinnern, bei dem ich in eine Schiene eingefädelt bin, obwohl das wirklich schon lange her ist. Vermutlich war es spektakulär anzuschauen, schmerzhaft für mich war es auf jeden Fall. Glücklicherweise ohne großes Publikum, so dass wenigstens nur Haut und Klamotten gelitten haben, aber das Ego ohne größere Blessuren davon gekommen ist. Vielleicht bin ich deshalb auch heute noch sehr vorsichtig, wenn Straßenbahnschienen in der Nähe sind. Es wäre aber wirklich schön, wenn man diese Gefahrenstelle für uns Radler doch zumindest weitgehend entschärfen könnte.

Die Kreuzung Rüppurrer Straße / Baumeisterstraße, Schienentechnisch ist hier alles geboten. Zudem muss man hier als Radler auch schon ohne die Schienen tierisch aufpassen, dass man hier nicht irgendwie unter die Räder gerät. Ein Gefahrenfaktor weniger wäre hier schon hilfreich.

Ich hatte vor einiger Zeit gelesen, dass es in Zürich schon mal einen Versuch gab, ein System zu installieren, das Radler davor schützt mit dem Rad einzufädeln - aber da gab es wohl einige Probleme. Erst jetzt habe ich erfahren, dass da schon die Firma Dätwyler Sealing Technologies aus Waltershausen bei Gotha dahinter steckte. Jetzt hat das Team aus Thüringen nach umfangreichen Überarbeitungen eine neue Version am Start und ist offensichtlich zuversichtlich, dass man die richtigen Antworten und Änderungen gefunden hat. Auf diesen Bericht über den neuen Anlauf bin ich vor kurzem gestoßen und über Twitter kam schnell eine erste Auswahl von kritischen Punkten in Karlsruhe zusammen, an denen es wirklich wünschenswert wäre, könnte ein solches System auch diejenigen Radler schützen, die nicht mit einem Fatbike unterwegs sind.
Das nennt sich Rillenschiene - das schwarze Hohlprofil ist aus Gummi. Die schwere Straßenbahn drückt es einfach zusammen. Danach entspannt es sich wieder nach oben und verschließt den für uns Radler so gefährlichen Spalt. Bild: Dätwyler

Überall wo Schienen mehr oder weniger kreuz und quer liegen, wie in Kreuzungsbereichen Durlacher Allee / Tullastraße oder Rüppurrer Straße / Baumeisterstraße kann man leicht den Überblick verlieren, wenn man versucht in nicht zu spitzem Winkel sicher über die Schienen zu kommen. Wäre hier ein Großteil abgesichert, wäre das ein erheblicher Sicherheitsgewinn. Gleichzeitig sind solche Situationen vermutlich auch technisch schwer zu lösen.
Sieht an sich sehr simpel aus, was ich allerdings für eine Vorteil halte. Die Anpassung an Bereiche wie auf der Kreuzung im ersten Bild hat dennoch seine Tücken, ist aber möglich und war vor allem das Ziel des Projekts, wie mir Matthias Klug von Dätwyler erklärte. Nur die beweglichen Zungen der Weichen können nicht abgedeckt werden. Bild: Dätwyler

Mit der Fragestellung wendete ich mich direkt an Dätwyler und bekam postwendend Antwort vom Head of Global Project Management, Matthias Klug mit interessanten Infos. Offensichtlich kann das System mit speziell angepassten 'Deckeln' gerade solche Bereiche sicher verschließen. Der 'Deckel' scheint der Clou am System zu sein. Besonders interessant finde ich den Aspekt, dass er eine Antirutschbeschichtung hat, denn das ist ja neben dem Einfädeln ein weiteres Problem insbesondere bei Nässe. Dazu die Möglichkeit diesen farblich zu gestalten. Meine erste Idee war, eher eine auffällige Farbe zu nehmen, damit optisch sofort klar wird, in welchem Bereich sicher gequert werden kann. Man könnte womöglich sogar regelrecht die sicheren 'Wege' kennzeichnen.
Die Deckel können unterschiedlich gestaltet und beschichtet werden. Die rutschhemmende Oberfläche werden  nicht nur Radler sondern auch Fußgänger wertschätzen. Für letztere sind die Abdeckung der Schienenspalte aber auch ein Gewinn an Komfort und Sicherheit. Bild: Dätwyler
Jedenfalls hat das neue System erste Dauertests mit über 200.000 Überfahrten quasi verschleißfrei überstanden. Praxisversuche in verschiedenen Bereichen laufen. So bleibt zu hoffen, dass die Anfangsprobleme wirklich überwunden wurden und sich das Velo-Gleis als praxistauglich erweist. Ich würde mich freuen, das in Karlsruhe zu sehen. Allerdings gehe ich davon aus, dass ich dennoch weiterhin auf einen ungefährlichen Querungswinkel achten würde. Man muss es ja nicht provozieren.

Das System ist jedenfalls unter den ersten 3 Nominierten beim Thüringer Innovationspreis. Am 14. November fällt die Entscheidung, ob das Velo-Gleis den ersten Platz macht. Schon am 11. November wird im MDR Thüringenjournal um 19h ein Bericht über das Velo-Gleis gesendet. Das ist nicht die übliche Zeit, zu der ich vor dem Fernseher sitze, aber vielleicht findet man das dann ja dann auch in der entsprechenden Mediathek.

Zusammenfassung der Links:

https://sealing.datwyler.com/index.php


https://www.golem.de/news/innotrans-die-schiene-wird-velosicher-1809-136663.html

https://www.velojournal.ch/vj-online/nachrichten/2018/schienen-werden-velosicher.html 

https://www.mdr.de/tv/programm/sendung812856_date-2018-11-11_ipgctx-true_zc-309492c5.html

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