Karlsruhe

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Donnerstag, 1. August 2019

Keine Hiobsbotschaft


In einem Artikel der BNN vom 11. Juni wurde es angekündigt und inzwischen ist in der Haid-und-Neu-Straße die Umsetzung termingerecht erfolgt. Tatsächlich wurde noch vor den Ferien im Bereich zwischen Durlacher Tor und Tullastraße stadtauswärts ein Fahrradstreifen markiert. Auch auf einem kleinen Stück in Gegenrichtung gibt es jetzt einen Radstreifen auf der Fahrbahn.
Der Radstreifen ist fertig, aber natürlich steht da ein Auto und mit der Tram kann man sich ein Bild machen, wie es sich anfühlt, wenn man da als Radler das Sandwich komplett macht.

Das wurde höchste Zeit, auch wenn ein Anwohner den angeblichen Wegfall von 140 Parkplätzen beklagt und der Vorsitzende des Bürgervereins Oststadt die Schaffung von oberirdischen Parkdecks fordert. Immerhin berichtet die BNN noch sachlich. Das Wochenblatt polemisiert nur noch. Ich möchte an dieser Stelle dem genannten Anwohner, dem Vorsitzenden des Bürgervereins und vor allem dem Wochenblatt widersprechen.
Hier sieht man, wie jetzt noch Radler gezwungen sind, in den Gleisbereich auszuweichen. Der vorne links macht es auf jeden Fall richtig und geht gleich raus aus dem Schwenkbereich der Falschparker und zwischen die Gleise rein. So droht seitens KVV 'nur' zu dichtes Auffahren!

Auch wenn die Radstreifen nicht wirklich eine gute Lösung sind - in diesem Fall können Sie doch eine Verbesserung bedeuten. Bisher ist es nämlich so, dass man als Radler in einer echten Todeszone radeln muss zwischen Dooring-Zone der parkenden Autos und den Gleisen der Straßenbahn. Die sind schon nicht ungefährlich, wenn keine Bahn kommt, aber ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass die Fahrer des KVV nicht zimperlich sind, wenn es um gefährliche Überholmanöver geht.

Für mich kein Zündstoff - zumindest nicht der Wegfall von Parkplätzen. Quelle: BNN
Dass hier also keine besondere Häufung von Unfällen bemerkbar ist, wie das Wochenblatt bemerkt, liegt vielleicht nur dran, dass da bisher keiner wirklich radeln wollte. Die Inkompetenz des Autors wird besonders deutlich, wenn er auf den Radweg auf der Gegenseite verweist. Der ist an und für sich schon eine Zumutung und entspricht wohl nicht in einem einzigen Punkt aktuellen Standards - den aber dann auch noch in Gegenrichtung zu nutzen, wird richtig gefährlich. Wenn sich der gute Mann hier mal erkundigt, wird er erfahren, dass das sehr häufig Ursache von Unfällen ist. 

Ich habe mich gewundert, wie unkritisch und ungeprüft die BNN die Zahl von 140 entfallenden Parkplätzen eines anonym bleibenden Anwohners übernimmt. Viele Leser werden das getrost überlesen und das als offizielle Zahl abspeichern.
Ein kurzer Blick in entsprechende Untersuchungen und der Autor wüsste, dass mehr Parkplätze nur mehr Autos  anziehen. Und warum soll die Allgemeinheit für kostenlose Parkplätze bezahlen. Quelle: wochenblatt-reporter.de

Der Vorschlag des Bürgervereins zusätzliche Parkdecks zu bauen - mal wieder auf Kosten der Steuerzahler und zwar auch derjenigen, die kein Auto besitzen - ist nicht akzeptabel. In der Oststadt gibt es nicht zu wenige Parkplätze, sondern zu viele. Vor allem zu viele kostenfreie! Warum soll die Allgemeinheit für die Kosten der Parkplätze der Autobesitzer aufkommen?

Zumindest ab der Hölderlinstraße muss man nicht mehr auf der Radweg genannten Buckelpiste fahren.
Eine Ausweitung des Anwohnerparkens und eine kostenpflichtige Nutzung für Nicht-Anwohner und damit eine Einschränkung der kostenfreien Parkplätze würde mit großer Sicherheit schon einige Pendler auf die Idee bringen, dass es vielleicht sinnvoller wäre, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dabei sind die jährlichen Kosten für einen Anwohnerparkausweis eigentlich lächerlich billig mit 30 Euro pro Jahr. Damit werden die Kosten für die Allgemeinheit nicht einmal annähernd gedeckt. Vermutlich reicht es gerade für den Verwaltungsaufwand. Den Betrag darf man also auch getrost erhöhen.
So sollte es aussehen, aber...

Für mich ist immer ein klares Indiz dafür, wie viele Autos hier gar nicht sein müssten, wenn man zu Zeiten wie über Weihnachten und Neujahr durchs Quartier geht. Dann sind maximal die Hälfte der Parkplätze belegt. Auch jetzt in den Sommerferien sind jede Menge Parkplätze frei. Das Ziel muss sein, eben auch den stehenden Verkehr (nicht nur in der Oststadt) Stück für Stück zu reduzieren. So kann ich Platz und Sicherheit schaffen für Radler und Fußgänger und damit die Verkehrswende voran bringen.
Mitten in den Arbeiten - eine vernünftige Lösung, um das Verschwenken auf den Gehweg zu vermeiden, hat man hier leider nicht gefunden.

An beiden Artikeln stört mich, dass man fast meinen könnte, der Bürgerverein Oststadt sei eine demokratisch legitimierte Institution, die für alle Bewohner des Viertels spricht. Aber weder ist sie das eine, noch tut sie das andere. Ich persönlich befürworte auf jeden Fall zu 100% den Wegfall von Parkplätzen. Zusätzlicher Platz für den Radverkehr ebenso, auch wenn die Fahrradstreifen milde ausgedrückt nicht state-of-the-art sind. Dazu dann endlich eine wirksame Parkraumbewirtschaftung - und ich hätte mal wieder Anlass mich bei der Stadt zu bedanken.

Arbeit für das Ordnungsamt wird es aber ganz bestimmt noch genug geben, bis akzeptiert wird, dass der Streifen auch freigehalten werden muss. Wenn ihr dort in Zukunft zumindest unter der Woche und tagsüber vorbei kommt und der Streifen ist zugeparkt - immer wieder gerne der Hinweis, dass ihr das ganz einfach telefonisch mit der 115 an die Stadt melden könnt. Nächste Woche soll sogar eine offizielle Einweihung durch Frank Mentrup stattfinden. Ob es das Ordnungsamt da schafft, dass dann keiner dort parkt?


Kommentare:

  1. Dieses Stück am Karl-Wilhelm-Platz ist jetzt kein vorgeschriebener Radweg mehr, sondern als "Fußgänger-Radfahrer frei" markiert, man darf hier also auf der Fahrbahn bleiben.

    Danke für deinen Artikel. Es wurde wirklich höchste Zeit. Bis jetzt musste man, wenn man den empfohlenen Abstand zu parkenden Autos einhalten wollte, zwischen den Gleisen fahren und selbst wenn man unmittelbar rechts von den Gleisen gefahren ist, hätten die Autos eigentlich auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssen, um korrekt zu überholen. Eigentlich handelt es sich also um eine Verbesserung für den fließenden Verkehr insgesamt, auch für die Autos.

    Und ja, für Autos sollten gängige qm-Mietpreise verlangt werden. Eine kleine Studentenbude der Größe von vielleicht drei Parkplätzen kostet ja auch dezent mehr als 90 Euro im Jahr...

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    1. Danke für deine Info! Das am Karl-Wilhelm-Platz hätte ich mir wohl etwas genauer anschauen sollen. ;) Gestern Abend bin ich noch das Stück von Durlacher Allee eben bis an den Kreisel gefahren und tatsächlich stand nicht ein Auto auf dem Radstreifen geparkt!!!

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