Karlsruhe

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Samstag, 27. Juni 2020

Kommt jetzt die Karlsruher Fahrradstaffel?

Mal wieder habe ich es dem Hinweis einer immer extrem gut informierten Leserin zu verdanken, dass ich rechtzeitig von dieser Veranstaltung erfahren habe. Die Polizei Karlsruhe will offensichtlich verstärkt Aktionen starten, um die 'Verkehrssicherheit rund um das Fahrrad' zu erhöhen, wie es im Titel heißt. Als Auftakt dazu hat man zum Pressegespräch in die Günter-Klotz-Anlage eingeladen und will da für die Allgemeinheit auch einen 'Präventionsstand zu allen Zweiradthemen' anbieten.
Mal wieder war ich auf Unterstützung angewiesen, umrechtzeitig von der Veranstaltung zu erfahren.
Die Ankündigung ist ja wirklich nicht unspannend, nachdem bisher das Engagement der Karlsruher Polizei zum Thema Radsicherheit eher mager ausfiel und die Ankündigung von Fahrradstreifen macht sicher auch manche neugierig, ob es dann endlich die sagenumwobene, bisher noch nie gesichtete Karlsruher Fahrradstaffel geben wird. Wenn also hier mehr kommen sollte in Zukunft, würde ich das sehr begrüßen. Also gleich den Entschluss gefasst, diesen Termin doch wahrzunehmen, um mal genau zu hören, was da kommen soll.
Hier keimen die Befürchtungen auf, dass es im Wesentlichen um Kontrollen von Radfahrern und nicht für Radfahrer gehen soll. Sie werden sich als berechtigt erweisen.
Am Vorabend sind meine Erwartungen ehrlich gesagt nicht allzu hoch. Die Tatsache, dass von 'regelmäßigen Kontrollen in Grünanlagen' gesprochen wird und man 'verstärkt auf polizeiliche Fahrradstreifen' setzen will, lassen bei mir den Verdacht aufkommen, dass man hauptsächlich Radler auf Verstöße kontrollieren will anstatt Gefährdungen durch den motorisierten Verkehr angehen will. Aber ich will offen sein und die Polizei beim Wort nehmen, wenn geschrieben wird, dass der Präventionsstand zu allen Zweiradthemen Stellung nehmen wird.

Es wird dann jedenfalls eine interessante Stunde an diesem Nachmittag mit interessanten Gesprächen, die mich anschließend auch noch sehr beschäftigt haben. Aber der Reihe nach...
Der Infostand in der Günter-Klotz-Anlage. Mir würden noch weitere Möglichkeiten einfallen, das Fahrzeug und die Präventionsgruppe einzusetzen. Mal sehen, ob da was draus wird.
Als ich eintreffe, ist der Infostand schon aufgebaut. Zwei Polizeimotorräder stehen da und tatsächlich 4 (in Worten vier) Pedelecs. Dazu Polizei in Zivil und Uniform, einige mit Fahrradhelm und darunter einige bekannte Gesichter, die regelmäßig unsere Critical Mass begleiten. Die Presse ist da und ansonsten hält sich der Besucherandrang in Grenzen - eigentlich ist nur die Fahrrad-Bubble vertreten habe ich den Eindruck. So findet sich eine kleine Twitter-Runde zusammen mit @hejbjarne, der der Karlsruher Polizei erklärt, was gefährdendes und behinderndes Parken ist und uns, wie wir das zur Anzeige bringen können. Aus Pforzheim ist @natenom gekommen, der auf ähnliche Weise dort versucht zu erreichen, dass gefährliche Überholmanöver, endlich entsprechend geahndet werden.
Man wollte nicht dran glauben, aber es gibt sie doch - die Pedelecs der Polizei Karlsruhe. Ich meine, es wäre sogar von Seiten der Polizei das Stichwort 'Fahrradstaffel' gefallen, das bisher immer heftiges Negieren ausgelöst hatte.
In den Gesprächen mit der Polizei stellt sich dann doch leider schnell heraus, dass es im Wesentlichen darum geht, den Radverkehr zu kontrollieren. Das war nicht ganz unerwartet, aber die Erklärung dazu auch durchaus nachvollziehbar. Es gab nämlich offensichtlich eine Beschwerde und wohl auch einen Leserbrief, in dem sich beschwert wurde, dass Radler auch und gerade in der Klotze mit hoher Geschwindigkeit und auch Rücksichtslosigkeit durchbrettern und damit die Fußgänger dort belästigen und durchaus auch gefährden. Das kann ich nachvollziehen und nicht in Ordnung, aber der Aufwand, der jetzt deswegen angestoßen wurde, scheint dann doch etwas überdimensioniert.
Die BNN war schneller mit ihrem Bericht. Schon am nächsten Tag wurde berichtet. Quelle: BNN
Vor Ort ist auch die Präventionsgruppe der Karlsruher Polizei mit der Leiterin Sabine Schmieder. Ich komme ins Gespräch mit einem Mitarbeiter aus ihrem Team, das sehr interessant und angenehm verläuft und ich hoffe, dass er für sich ähnlich viele Anregungen daraus mitnimmt wie ich.

Er erklärt mir, dass sie als Präventionsgruppe solche Anstöße aufnehmen, um zunächst mit Information der Menschen zu einer Verbesserung der Situation zu kommen und auch dass man in der Abteilung offen ist für weitere Ideen. Auf einige Vorschläge von meiner Seite, wie man auch die Sicherheit des Radverkehrs verbessern könnte, reagiert er sehr offen und interessiert. Auch der Vorschlag, sich doch mal mit engagierten Karlsruher Radlern zu treffen und Maßnahmen zu besprechen, die nicht nur gegen sondern auch für die Radler sind, scheint auf offene Ohren zu stoßen. Die Einladung an die Abteilung wird folgen!

Bei Schilderungen von mir, aber auch von Bjarne, wie Reaktionen ausfallen, wenn man enge Überholmanöver oder gefährdendes Parken zur Anzeige bringen will, reagiert er empört. Das dürfe so nicht sein und fordert uns auf, solche Vorgänge dann auch zu melden und wenn nicht darauf reagiert würde, einfach immer noch eine Stufe höher. Das ist vielleicht auch noch mal ein Mutmachen für @natenom in Pforzheim nicht locker zu lassen gegenüber der dortigen Polizei, aber auch der Staatsanwaltschaft. Gerade in Zeiten, in denen die Polizei hart kritisiert wird, muss man dieses Auftreten positiv hervorheben. Kein Jammern über Generalverdacht etc., sondern eher die Aufforderung: Ja, kritisiert uns. Nur so können wir lernen, wo es nicht so gut läuft und etwas verbessern.

Was wird jetzt also passieren? Vermutlich werden wir die Karlsruher Polizei in nächster Zeit doch öfter auf dem Rad sehen. Das ist ja schon mal gut. Wenn dann der eine oder andere Gehweg- oder Geisterradler es endlich kapiert, dass das keine gute Idee ist, wäre auch etwas gewonnen. Dann muss man aber zusehen, dass es an die eigentlichen Gefährder geht und damit das passiert, müssen vermutlich noch einige Anstöße erfolgen.

Im Nachhinein stelle ich mir noch einige Fragen zu der Aktion in der vergangenen Woche, die ich eigentlich hätte stellen sollen. Fragt sich denn eigentlich keiner der Organisatoren, warum scheinbar ausschließlich Radler gekommen sind, um sich zu informieren und zu diskutieren? Ist das womöglich die einzige Gruppe, die wirklich aktiv und konstruktiv mitwirken will? War der Schreiber des Leserbriefs eigentlich anwesend? Leider habe ich nicht daran gedacht, das zu fragen während der Veranstaltung. Wird aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt.
Dann würde ich nämlich gerne wissen, warum so ein Aufwand bisher nicht gemacht wurde, wenn sich Radler beschweren, dass sie z.B. in der nördlichen Karlstraße bedrängt und viel zu eng überholt werden? Oder wenn gemeldet wird, dass Fahrrad- und Gehwege rücksichtlos zugeparkt werden? Oder in Wohngebieten gerast wird? Bisher habe ich es dann noch nicht erlebt, dass ein Infostand aufgebaut wird und fast ein Dutzend Polizeibeamte, einschließlich des Leiters der Karlsruher Verkehrspolizeiinspektion, Martin Plate auftauchen, um mit Presse und Bürgern zu sprechen. Daran sollte sich vielleicht etwas ändern.
Denn wenn 'Sicherheit rund ums Fahrrad weiter nur bedeutet, dass der Radverkehr kontrolliert wird und sich an die Regeln halten soll und der Rest nicht, wird es bei #NennmichnichtFahrradstadt bleiben in Karlsruhe.

Links:







Kommentare:

  1. Was man zu erwarten hat zeigt wohl der folgende Statement von Herrn Plate im KA-News Bericht (https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruhe~/fahrrad-boom-in-karlsruhe-polizei-nimmt-radfahrer-in-den-fokus;art6066,2542717,9-pg3#pg):
    "Warum die verstärkte Kontrolle? Insgesamt sind die Zahlen der Unfälle mit Radfahrern im Vergleich zum Vorjahr zwar gesunken (221 waren es von Januar bis Mai 2020, 235 im Jahr zuvor), doch Radfahrer sind häufig Unfallursache: Bei mit Radfahrern beteiligten Unfällen sind es knapp über 50 Prozent. Es werden Vorfahrtsregeln missachtet, Rotlicht überfahren, am Handy telefoniert oder auf der falschen Seite gefahren."

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    1. Da ist wie so häufig die eklatante Abweichung zu den offiziellen Zahlen von Destatis, woher auch immer die kommen mag. Womöglich wird hier die Einschätzung durch die Beamten vor Ort herangezogen und nicht die abschließende rechtliche Beurteilung durch ein Gericht. Wird z.B. die Gefährdungshaftung des Autofahrers gewichtet?!

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    2. Die ca. 50% stimmen schon. Und zwar für Anteil Radfahrer als Hauptverursacher bei allen Unfällen mit Fahrradbeteiligung. Also auch bei Alleinunfällen. Die ja zu 100% von Radfahrern verursacht werden.

      Die Desinformation bei der Nennung dieser Zahl liegt darin, das dabei immer der Vergleich zu KFZ-Führern unterschlagen wird. Die da bei größer 2/3 Anteil als Verursacher liegen.

      Und Fußgänger sind nicht vergleichbar, weil als Verkehrsunfall nur Unfälle mit Fahrzeugbeteiligung zählen und damit Alleinunfälle von Fußgängern nicht in der Statistik sind.

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    3. Danke für die zusätzlichen Infos!

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