Karlsruhe

Karlsruhe

Dienstag, 2. August 2016

Verständnisproblem

Am Wochenende hat mich mal wieder eine Beschilderung für den Radverkehr etwas aus dem Tritt gebracht. An der Rampe einer neuen Unterführung einer Bahnlinie fand sich folgendes Schild. Das hat mich jetzt wirklich etwas in die Bredouille gebracht, wie ich mich hier als Radfahrer richtig verhalten soll.
Als Radfahrer ist man doch eher ein Auf- als ein Absteiger, oder?
Immerhin hat sich hier jemand die Mühe gemacht und das Partizip Präsens als attributives Adjektiv zum Einsatz gebracht (hoffentlich war meine Grammatikrecherche halbwegs korrekt! Ich habe leider nicht Germanistik studiert.). Die Frage ist jetzt wie das 'absteigend' interpretiert werden kann?

Geht man von einer Gleichzeitigkeit aus mit der Nutzung der Unterführung?

Wie man auf dem Foto sehen kann, war ich schon von meinem Rad abgestiegen. Damit war ich aber nicht mehr absteigend, denn der Vorgang des Absteigens war ja schon abgeschlossen. Darf ich also jetzt den Weg noch benutzen?

Vielleicht wird ja erwartet, dass man beim Einfahren mit dem Absteigen beginnt, dabei das Rad die Rampe hinunterrollen lässt, um dann unten angekommen das Absteigen abzuschließen. Es stellt sich nur die Frage, wie man auf diese Weise auf der anderen Seite wieder nach oben kommen soll.

Vielleicht darf man das 'absteigend' aber gar nicht als Absteigen vom Rad interpretieren, sondern nur als Überbegriff für sich nach unten bewegen. Damit wären ja auch abfahren oder hinunterrollen gedeckt, ohne dass sich damit das Problem lösen würde, wie man auf der anderen Seite wieder ans Tageslicht kommt. 


Es könnte aber auch sein, dass ich ein absteigender Radfahrer bin, wenn ich einfach so regelmäßig von meinem Rad absteige, was ich selbstverständlich tue. Wer will schon ununterbrochen auf dem Rad sitzen. In logischer Konsequenz bin ich natürlich auch ein aufsteigender Radfahrer, weil ohne Aufsteigen, kein Absteigen.

Da ich vom Rad abgestiegen nun eigentlich gar kein Radfahrer mehr bin und so gar nicht mehr wüsste, darf ich nun oder nicht, habe ich mich für folgende Interpretation entschieden. Da ich wie jeder Mensch älter werde und damit eh auf dem absteigenden Ast bin, bleibe ich einfach auf meinem Rad sitzen und fahre die Unterführung runter und auf der anderen Seite wieder rauf. Dabei bin ich natürlich vorsichtig und rücksichtsvoll -  also langsam fahrend und an unübersichtlichen Stellen klingelnd, damit Kollissionen mit anderen Ab- oder auch Aufsteigern vermeidend und den §1 der StVO berücksichtigend.

Vielleicht bleibt nur die Frage offen, ob man dann konsequent nicht doch 'absteigende Radfahrende' hätte schreiben müssen. 
 

Kommentare:

  1. Na ja, das Schild sagt doch ganz klar: Fußweg.
    Da braucht's auch keinen Zusatz "Radfahrer absteigen" oder sonst was. Wobei ich diesen Zusatz noch nie gesehen habe, nett irgendwie.
    Wenn ich als Radfahrer weiter möchte, muss ich absteigen und schieben. Für mich gibt es da erst mal keinen Interpretationsspielraum.

    Jetzt kann man sich aber dieses Tricks bedienen. Ich meine Fahren im Sinne der STVO bedeute treten. Wenn ich also mit dem einen Fuß auf dem Pedal stehe und mit dem anderen, wie bei einem Roller anschupse, ist das nicht fahren! Das wäre übrigens auch eine legale Möglichkeit als Fußgänger über einen Zebrastreifen zu "rollern".
    Wobei, wenn man das jetzt weiterspinnt, würde man ja auch nicht fahren, wenn man sich am Ende einfach auf dem Rad sitzend die Rampe wieder runter rollen lassen würde, oder!?

    Aber jetzt mal Hand auf Herz: Ich wäre hier auch nicht abgestiegen!

    Ach, da fällt mir noch was ein. Hier in Stuttgart gibt es auf der offiziellen Radwegekarte der Stadt eingezeichnete "Radwege", die sich dann vor Ort als
    ausgewiesene Fußwege entpuppen. Vielleicht muss ich das Schild eben doch Situationsbedingt immer wieder neu interpretieren!

    Sandy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eben, das Fußgängerschild wäre schon ausreichend, wobei die ja eh die Treppe nehmen. Die Rampe ist ja primär für Barrierefreiheit, wenn jemand mit Kinderwagen oder Rollstuhl unterwegs ist, eingerichtet worden. Die Unterführung ist jetzt auch nicht gerade von Menschenmassen frequentiert. Außer den Fahrgästen der Bahn sind die meisten Passanten vermutlich tatsächlich Radler und mit entsprechender Rücksichtnahme gibt es hier vermutlich auch keine echten Konfliktsituationen.
      Ich fand einfach die Wortschöpfung der 'absteigenden Radler' kurios. ;)

      Löschen