Karlsruhe

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Montag, 28. Oktober 2019

Wie motiviert man einen Verkehrsminister?

Mancher kennt vermutlich die Firma DuPont - nein, ich meine nicht die Füllhalter aus Frankreich, sondern den großen amerikanischen Chemiekonzern. Was viele nicht wissen, ist dass die Firma einen Geschäftsbereich hat, der als Dienstleistung Konzepte für Arbeitssicherheit anbietet. Da man selbst früh angefangen hat, dieses Thema sehr hoch aufzuhängen und wichtig zu nehmen, besteht einiges an Know-How dazu in der Firma, das sie auch anderen Interessenten gegen Bares anbietet.


Warum Arbeitssicherheit für die Firma schon lange sehr wichtig ist, erklärt sich aus der Geschichte des Unternehmens. DuPont gibt es seit über 200 Jahren und zu Beginn war deren Geschäft die Herstellung von Sprengstoffen. Für jeden leicht nachvollziehbar, dass so eine Produktion nicht ganz frei von Risiken ist und tatsächlich gab es wohl hin und wieder eine Havarie, die mehr oder weniger den Komplettverlust von Produktionsstätten und sicher auch erhebliche Opfer unter den Mitarbeitern forderte.

Ich unterstelle, dass dann vermutlich doch mehr der Geschäftssinn als die Empathie mit der Belegschaft dazu führte, dass man Maßnahmen ergreifen wollte, die die Sicherheit in der Produktion erhöhen sollte. Mir wurde erzählt, dass dafür die Vorgabe geschaffen wurde, dass die leitenden Angestellten der Firma einschließlich ihrer Familien in Häusern auf dem Werksgelände wohnen mussten. Eine Maßnahme, die im 19. Jahrhundert vermutlich noch eher möglich war, als es das heute wäre und uns etwas krass erscheint, die aber offensichtlich Wirkung zeigte. Das Interesse  des Führungspersonals, Leib und Leben ihrer Familien und auch von sich selbst zu schützen, brachte einen Motivationsschub, der im Grunde heute in der Firma noch nachwirkt.

Und an dem Punkt wechseln wir nach Berlin ins Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur - kurz BMVI. Dort sitzt ein CSU-Politiker an der Spitze (nach zwei anderen CSU-Politikern vor ihm) und kümmert sich um Autos, aber nicht um Verkehr. Die Infrastruktur für den Radverkehr ist lausig - kein Wunder bei so mickrigen Ausgaben dafür. Die Bahn ist in einem desolaten Zustand und ich habe den Eindruck, es wird immer schlimmer. Bahn fahren und meinen, man könnte pünktlich ankommen, erscheint mir (aus direkt miterlebter Erfahrung des täglichen Pendelns nach Frankfurt) wie Russisch Roulette, aber mit 7 Kugeln in 6 Läufen.

Ankündigungen kamen bisher ja genug, aber gekümmert wird sich im BMVI scheinbar nur um Katastrophenprojekte wie die Maut. Wie das ändern? Ich will den Bundesverkehrsminister nicht der Gefahr einer explodierenden Dynamitfabrik aussetzen, aber ich könnte mir die Auflage vorstellen, dass er ausschließlich mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein darf, bis endlich ein akzeptabler Zustand bei den menschen- und umweltfreundlicheren Verkehrsarten erreicht worden ist. Seine Familie will ich da gar nicht mit rein ziehen.

Klar ist unrealistisch! Aber man wird ja mal noch träumen dürfen...

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