Karlsruhe

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Samstag, 19. Oktober 2019

Bürgerbeteiligung in Karlsruhe

In der Oststadt gibt es einen der schönsten und belebtesten kleinen Plätze in Karlsruhe. Zwischen der Kirche St. Bernhard und der Verlängerung der Karl-Wilhelm-Straße, mit einem Spielplatz, der Außenbewirtschaftung der Kneipe Oktave und einer Tischtennisplatte hat sich eine richtige Oase entwickelt, wie es sie nicht so viele gibt in Karlsruhe und die es auf jeden Fall wert ist, geschützt und erhalten zu werden.
Vermutlich bin ich bereits seit längerem an diesen Hinweisen vorbeigeradelt und gelaufen, ohne sie wahrzunehmen. Glücklicherweise habe ich eine verlässliche Tippgeberin, die mich dann informiert.


Im Rahmen der Baumaßnahmen bei der Neugestaltung des Durlacher Tors ist nur auch der sog. kleine Bernhardusplatz mit betroffen und in den Augen mancher bedroht. Meine zuverlässigste und fleißigste Tippgeberin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass eine Veranstaltung zur Bürgerinformation und -beteiligung stattfinden wird. Mit etwas Mühe habe ich es dann noch geschafft, dort reinzuschauen, auch wenn ich nicht gleich zum Start dort war.
Bei dem Wetter sind Spielplatz (links) leer und die Außenbewirtschaftung vom Oktave natürlich nicht in Betrieb. Eine aktuell schon mögliche echte Verbesserung wäre es wohl, Autos grundsätzlich von dem Platz zu verbannen.

Insgesamt hatten sich über 100 Menschen eingefunden, um sich informieren zu lassen und sich aber auch mit Ideen selbst einzubringen. Von der Stadt und von der beauftragten Planungsfirma waren mehrere Personen vor Ort, um Ideen aufzunehmen und Stellung zu beziehen.

Von den verschiedenen angesprochenen Aspekten, will ich nur den am heißesten diskutierten aufgreifen, nämlich die Öffnung des Platzes zum Durlacher Tor hin und die Möglichkeit, dass man auch Radverkehr dort zulässt. Hierzu soll der Wall abgetragen werden, der bisher nach Westen eine Grenze bildet, um den Zugang vom neugestalteten Durlacher Tor mit den Eingängen zur U-Strab zu ermöglichen. Ich hatte ja im Vorfeld gehört, man wolle den Platz als Hauptdurchgangsweg für den Radverkehr nutzen, was ich klar abgelehnt hätte. Das ist aber definitiv nicht der Fall.
Der Blick von oben auf die Kirche und den kleinen Bernhardusplatz (Quelle. Google Maps)

Hier gab es einige hitzige Wortmeldungen mit scharfen Zuspitzungen und auch Übertreibungen. Es gab aber auch Zustimmung zur Öffnung des Platzes und glücklicherweise haben sich die Befürworter noch getraut, das auch so zu sagen - und sie haben auch Beifall dafür bekommen.
Das ist die Tischtennisplatte mit zugehöriger Straßenlaterne, die offensichtlich viele Fans hat. Dahinter kann man den Wall sehen, der verschwinden soll, um den Zugang von Westen her zu erleichtern und barrierefrei zu gestalten.

Ich finde es sehr schwierig vorherzusagen, wie sich das entwickeln wird und ich verstehe die Angst um diesen schönen Platz. Andererseits war der Wall bisher auch für mich kein Hindernis, um mit dem Rad den Weg über den Platz zu nehmen. Dass ich aber seit Monaten das nicht mehr gemacht habe, liegt vielmehr an der neuen Fahrradführung, die jetzt über Bernhardstraße vor zur Durlacher Allee führt. Nur in Gegenrichtung gab es bisher keine echte Alternative, wodurch viele dann das Stück von der Haltestelle in Richtung Osten auf dem Gehweg absolvierten. Eine sehr wichtige Information, die ich aus der Veranstaltung mitnahm, war dass eine Anregung aus einer ersten Infoveranstaltung aufgegriffen wurde und dafür ein Planänderungsverfahren angestoßen wurde.
Hier war eigentlich keine Querungsmöglichkeit geplant, aber es ist offensichtlich, dass hier dennoch einiges an Durchgangsverkehr stattfindet. Hier soll die improvisierte Furt dann doch offiziell werden. Die wird mit großer Sicherheit intensiv genutzt werden. Es bleibt zu hoffen, dass man Fußgänger und Radler hier nicht zu lange warten lässt mit Bettelampel oder so.

Jetzt soll tatsächlich auf Höhe der Bernhardstraße eine zusätzliche Querungsmöglichkeit über die Durlacher Allee entstehen. An der Stelle zeigt schon eine sogenannte 'Desired Lane', was von Karlsruher Fußgängern und Radlern gebraucht wird. Wenn einen hier die Bettelampeln nicht zu lange warten lassen, wird diese Möglichkeit bestimmt auch entsprechend genutzt und wird Radler vom Bernhardplatz fernhalten.
Seit der Schutzstreifen hier fertig gestellt wurde, fahre ich eigentlich auch immer so am Bernhardplatz vorbei. Nicht ideal die Gestaltung, weil die Rücksichtnahme des Autoverkehrs hier wie häufig zu wünschen übrig lässt. Für die Ängstlicheren bietet sich die Alternative über den Gehweg. Ernsthafte Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr habe ich hier bisher nicht beobachtet.

Bizarr überzogen fand ich den Auftritt eines Vertreters des Bürgervereins Oststadt. Der zeichnete ein Bedrohungsszenario aus E-Tretrollern und Lastenrädern an die Wand, die vom neuen Ikea aus kommend dann den Platz überschwemmen und reihenweise flanierende Rentner und spielende Kinder überfahren würden, dass ich beim späteren Heimweg ganz vorsichtig die Gerwigstraße in Richtung Osten spähte, um sicherzugehen, dass mich diese Armada nicht direkt noch am gleichen Abend überrollen würde. Mal wieder hoffe ich, dass die Stadt die Aussagen des Bürgervereins nicht zu hoch hängt, da dieser zunächst erst mal nur die Meinung der Vereinsmitglieder ausdrückt und nicht von allen Oststädtern als Vertretung legitimiert ist.

Meine volle Zustimmung hatte an dem Abend der Vorschlag eines Anwohners, der dafür plädierte, dass die Tischtennisplatte erhalten bleiben soll und zwar am besten weiterhin in direkter Nähe einer Laterne, um an schönen Abenden auch noch nach Einbruch der Dunkelheit dort spielen zu können. Ich würde sagen, warum nicht eine zweite Platte dort irgendwo aufstellen, wenn der Andrang oft sehr groß ist.

Ob am Schluss die gesamte Gestaltung gelungen sein wird oder nicht, wird sich heraus stellen. Grundsätzlich finde ich es äußerst begrüßenswert, dass die Stadt sich diesem Dialog stellt und Anregungen aufnimmt. Dabei hoffe ich, dass diese Atmosphäre des kleinen Bernhardusplatzes erhalten bleibt und sich mit der Öffnung zum Durlacher Tor hin womöglich noch weiter ausbreitet, damit dieses Wohnzimmer der Oststadt noch etwas größer wird. Dazu werden am Ende aber auch wir Bürger beitragen müssen. Was der Platz heute ist, hat man sich bei der ersten großen Umgestaltung vermutlich auch nicht träumen lassen und dann ist er so schön geworden. Man kann also davon ausgehen, dass es die Oststädter drauf haben, dass es weiterhin so bleibt.

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