Karlsruhe

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Donnerstag, 27. Dezember 2018

Was kommt in 2019 und danach...

Vor wenigen Tagen (13.12.18 - leider kann ich Text von Artikel und Kommentar nicht posten, vielleicht kommt ihr auch auf anderem Wege dran) berichtete die BNN über die anstehenden Pläne der Stadt Karlsruhe zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer. Dabei wird auch sehr anschaulich die Motivation dieser Maßnahmen erläutert, nämlich dass unter anderem der weiter steigende Pendlerverkehr nicht bewältigt werden kann, wenn alle nur das Auto nehmen würden.
Auch in Karlsruhe sieht es bei den gemessenen Feinstaubwerten häufig genug immer noch so aus, wie hier gezeigt,  auch wenn übers Jahr hinweg die europäischen Grenzwerte gerade so eingehalten werden. Es könnte auch besser sein! Die aktuellen Werte kann man übrigens jederzeit über folgenden Link aufrufen: https://karlsruhe.maps.luftdaten.info/#11/49.0253/8.4093
Im Vergleich zu den meisten anderen deutschen Städten hat Karlsruhe sicher schon viel erreicht und das mit einem vergleichsweise geringen Investitionsvolumen. Die angegebenen jährlichen Ausgaben in Höhe von 1,5 Mio. Euro entsprechen gerade mal 5 Euro pro Einwohner. Ein geradezu lächerlicher Betrag im Vergleich zu den 'Profis' in den Niederlanden oder Dänemark. Leider wird in dem Artikel nicht bekannt gegeben, was jährlich in Karlsruhe für den Autoverkehr ausgegeben wird, um hier mal einen Vergleich zu ermöglichen.

Der Artikel lässt auch anklingen, dass dieses Geld in Zukunft nicht mehr reichen wird. Die sogenannten 'Low hanging fruits' sind abgeerntet. Die nächsten Verbesserungen werden aufwendiger und teurer. So wird die Stadt über kurz oder lang dieses Budget anheben müssen. Das wird vermutlich auch schon alleine dafür notwendig, um weiter als fahrradfreundliche Kommune zertifiziert zu werden. Denn hier wurden die Kriterien verschärft - Stillstand genügt hier nicht mehr. Die Renditeaussichten für diese Investitionen dürften aber ziemlich gut sein, selbst wenn man nur die Einsparungen rechnet, die sich fast zwangsläufig bei der restlichen Infrastruktur ergeben, wenn die nicht weiter wachsen muss und weniger belastet wird.

Glücklicherweise erhalten die Verantwortlichen bei der Stadt offensichtlich auch eine Menge Feedback zu den getroffenen Maßnahmen. Dabei auch schön zu hören, dass eben nicht nur gemeckert wird, sondern dass auch positive Meldungen kommen und so die Verantwortlichen bei der Stadt direkt erfahren, dass die Ergebnisse ihrer Arbeit auch von der Bevölkerung geschätzt werden.
In Madrid waren die schlechten Luftwerte die Hauptmotivation endlich den Autoverkehr einzuschränken. Leider scheint es bisher nur eine Person in Madrid zu geben, die sich die Mühe gemacht hat, sich einen privaten Feinstaubsensor zu bauen.

Erfreulich finde ich den positiven und dabei sachlichen Grundton des Artikels, der durchaus berechtigt herausstellt, dass durch verstärktes Umsteigen aufs Fahrrad eben auch gerade die Autofahrer profitieren, die vielleicht wirklich nicht umsteigen können - wobei das Nicht-umsteigen-können durchaus Potential für intensive Diskussionen hat. Dem Kommentar der Redakteurin Kirsten Etzold, die diesen Weg als Schlauen Weg bezeichnet, kann man nur zustimmen. Aber vielleicht dürfte man in Karlsruhe durchaus noch etwas schlauer werden...

Denn bei allem bisher Erreichten und für die Zukunft schon Angedachten, will ich an der Stelle doch auf zwei Beispiele hinweisen, die viel radikalere Wege eingeschlagen haben und wo trotz aller Unkenrufe bisher die Welt noch nicht untergegangen ist. Beides sind spanische Städte, zum einen mit Pontevedra eine kleinere Stadt, zum anderen mit der Hauptstadt Madrid eine Millionen-Metropole.

In Pontevedra hat der 1999 neu ins Amt gewählte Bürgermeister sofort radikal die Zufahrt der Autos in die Innenstadt eingeschränkt. Seither hat sich das Stadtzentrum deutlich erholt - es ist leiser geworden, Drogendealer sind verschwunden, die kleinen Geschäfte haben sich erholt und die Menschen sind nach Pontevedra zurück gekommen. Während vorher jährlich ca. 3 Menschen auf den Straßen der Stadt starben, gab es seit 2009 gar keinen Verkehrstoten mehr. Der Bürgermeister ist übrigens seither mehrfach wieder gewählt worden und noch immer im Amt.

In Madrid hat erst vor kurzem die neue Bürgermeisterin ähnliche Maßnahmen für die Innenstadt ergriffen. Auf der berühmten Gran Via blieben für den Autoverkehr von ursprünglich 6 Spuren nur 2. Die anderen sind jetzt für die Bussen und den Radverkehr. Schwärzeste Szenarien wurden an die Wand gemalt, die Stadt war quasi dem Untergang geweiht. Nach den ersten Wochen sieht die Bilanz eher so aus, dass sich der Autoverkehr drastisch reduziert hat und zwar auch um das direkt betroffene Zentrum herum. Die Zahl der Fußgänger ist offensichtlich schon deutlich gestiegen. Dazu sind die Busse um ein Viertel schneller unterwegs, was natürlich der Attraktivität des ÖPNV enorm hilft. Madrid ist nicht untergegangen!

Links:
https://karlsruhe.maps.luftdaten.info/#11/49.0140/8.4043

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pontevedra-fussgaenger-autos-1.4259542

https://www.deutschlandfunk.de/klimaschutz-madrid-schraenkt-den-stadtverkehr-ein.1773.de.html?dram:article_id=434649

Kommentare:

  1. So eine tiefhängende Frucht fällt mir schon noch ein, nämlich das links Abbiegen. Ich weiß so Aufstellflächen oder Fahrradabbiegespuren sind im Gegensatz zu den Massnahmen in den Niederlanden nicht das Gelbe vom Ei aber es würde meiner Ansicht nach schonmal viel bringen an allen Kreuzungen irgendwie so etwas zu haben. Eigentlich genügt dazu etwas Farbe. Danach kann man dann bei jeder Straßen- und Kreuzungssanierung dann von vorne herein sinnvolle Konzepte mitdenken. Eine quasi autofreie Innenstadt wäre natürlich auch etwas sehr Angenehmes.

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    1. Du hast sicher recht, es gibt nach wie vor auch genug einfach zu erreichende Verbesserungen. Vielleicht schwingt da bei mir der Wunsch mit, dass man in Karlsruhe mal anfängt, etwas größer zu denken. Und zu handeln!

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  2. Es gibt schon kleinere Dinge, die man verändern könnte um eine Verbesserung zu erreichen. Umdenken ist gefragt.

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