Karlsruhe

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Mittwoch, 28. Oktober 2015

Mehr Fahrradstraßen für Karlsruhe

Ende 2015 oder spätestens Anfang 2016 sollen in Karlsruhe 11 weitere Straßen bzw. Straßenabschnitte in Fahrradstraßen umgewandelt werden. Das hatte die Stadt am 14. Juli in einer Pressemitteilung bekannt gegeben.


Tatsächlich habe ich jetzt festgestellt, dass zumindest schon damit begonnen wurde, denn als ich gestern durch die Bahnhofstraße fuhr, waren dort schon die neuen Schilder montiert und auf der Straße die Kennzeichnung angebracht, dass es sich inzwischen um eine Fahrradstraße handelt.

Die Bahnhofstraße als frischgebackene Fahrradstraße am 27. Oktober
Mein persönliches Verhältnis zu den Fahrradstraßen ist zwiespältig, da ich nicht sicher bin, ob sie das Fahrradfahren wirklich sicherer machen und damit insgesamt das Fahrradfahren in Karlsruhe voran bringen.

In Fahrradstraßen gelten besondere Bestimmungen , die letztlich den Radverkehr in diesem Bereichen besonders schützen sollen. Grundsätzlich sollte man aber eigentlich auf dem Fahrrad auf jeder Straße ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer sein und nicht nur geduldet. Jeder, der regelmäßig in der Stadt mit dem Fahrrad fährt, weiß, dass das häufig nicht der Fall ist.

Was ändert sich jetzt in der Praxis, wenn eine Straße plötzlich zur Fahrradstraße wird?.

In manchen Abschnitten, z.B. in Bereichen der Sophienstraße, wo die Verkehrsführung einspurig ist und damit die Fahrspur sehr eng, scheint es plötzlich möglich für Autofahrer, sich an das Tempolimit zu halten und auf Überholen und auf zu enges Auffahren zu verzichten. Als Radfahrer ist es möglich mit weniger Anspannung mehr in der Mitte der Fahrbahn zu fahren und damit auch den notwendigen Abstand zu den parkenden Fahrzeugen zu halten.

Werden die beiden Fahrspuren aber wieder zusammengeführt, wie im Bereich zwischen Scheffelstraße und Reinhold-Frank-Straße ist es mit dieser Rücksichtnahme oft schon wieder vorbei. Es wird wieder versucht zu überholen, selbst wenn man auf dem Rad annähernd mit den erlaubten maximalen 30 km/h unterwegs ist – Tempolimit oder Sicherheitsabstand scheinen ihre Relevanz sofort wieder verloren zu haben. Oder der entgegenkommende Verkehr prescht ohne Abstand und ohne eine Verminderung der Geschwindigkeit an einem vorbei.

Besonders extrem und bedrohlich finde ich regelmäßig erlebte Situationen, wenn man aus der Fahrradstraße wieder herausfährt. Es scheint, dass dann bei vielen Autofahrern der Reflex ausgelöst wird, jetzt ist es ja vorbei mit der Fahrradstraße, jetzt will ich auch schnellstmöglich an dir vorbei, egal ob es die tatsächliche Verkehrssituation erlaubt oder nicht!
Das klassische Beispiel hier ist beim Abbiegen aus der Sophienstraße in die Yorckstraße. Auch in der Yorckstraße ist die Verkehrsführung einspurig und durch die seitlich parkenden Autos die Fahrspur zu eng, um einen Radfahrer regelkonform überholen zu können. Das Tempolimit beträgt weiterhin 30 km/h. Und dennoch wird dort sofort wieder aufgefahren und mit Minimalabständen überholt.

So bezahle ich dann für die kurze Schonzeit in der Fahrradstraße gleich wieder den Preis.

Letztlich hoffe ich doch darauf, dass diese Ausweitung der ‚Reservate’ für Radler auf Dauer hilft das Bewusstsein bei den Autofahrern zu vergrößern, dass auch Menschen auf dem Rad eine Daseinsberechtigung auf den Straßen haben – und das unabhängig davon, ob es sich um eine Fahrradstraße handelt oder nicht. Vielleicht hilft es auch einfach noch mehr Menschen dazu zu bringen das Fahrrad zu nutzen und damit langsam ein größeres Übergewicht auf den Straßen zu erzeugen. Es ist ja inzwischen auch nachgewiesen, dass das einen positiven Effekt auf die Sicherheit des Radverkehrs hat.

Wenn das so ist, soll es mir Recht sein, wenn diese Zonen vergrößert werden. Dabei hätte ich aber noch einige Wünsche an die Stadt:

Warum macht man das nicht gleich in viel größerem Stil? Es wären sicherlich noch viel mehr Straßen qualifiziert, denn in den betroffenen Abschnitten muss der Fahrradverkehr nicht schon die vorherrschende Verkehrsart sein, wie in der Pressemitteilung geschrieben wird. Es genügt, wenn das alsbald zu erwarten ist, wie es in der entsprechenden Verwaltungsvorschrift zur StVO heißt.
Dazu wäre es wünschenswert, wenn dann auch Kontrollen stattfinden würden, die die Einhaltung der Regeln in den Fahrradstraßen sicherstellen. Ich denke hier an Tempokontrollen und auch allgemeine Verkehrskontrollen, bei denen Autofahrer auch angehalten und belehrt werden, wenn sie zu knapp überholen oder auf sonstige Weise die Radfahrer gefährden.

Hier möchte ich besonders in einer der designierten neuen Fahrradstraßen einen erhöhten Handlungsbedarf prognostizieren, nämlich in der bereits eingangs erwähnten Bahnhofstraße. Dort sehe ich das Problem, dass ein wesentlicher Teil des motorisierten Verkehrs Taxis und Busse sind. Taxi- und Busfahrer sollten als Berufskraftfahrer eigentlich besser unterrichtet sein als der normale Autofahrer. Ich habe eher den Eindruck, dass sie für sich besondere Rechte in Anspruch nehmen und Regeln für sie weniger zu gelten scheinen. Ob sich daran etwas ändert, wenn die Bahnhofstraße Fahrradstraße ist?

Bei aller Skepsis gegenüber den Fahrradstraßen, die ich hier formuliert habe, muss ich abschließend aber zugeben, dass ich mich gestern einfach tierisch gefreut habe, als ich durch die neue Fahrradstraße gefahren bin. Das Beste wäre sowieso, wenn am Ende alle meine Unkenrufe Lügen gestraft würden.

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