Karlsruhe

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Sonntag, 24. Juli 2016

Unterschiedliche Maßstäbe

Die südliche Waldstraße ist sicherlich eine der geschäftigsten Straßen der Karlsruher Innenstadt. Auf den ca. 220 m zwischen Amalienstraße und Sophienstraße reiht sich Geschäft an Kneipe an Boutique an Restaurant. Diese sind offensichtlich auch gut besucht, denn es tummeln sich ganz schön viele Leute hier.
Der Blick in die südliche Waldstraße von der Amalienstraße zu einem eher ruhigen Zeitpunkt. Man erkennt am unteren Rand die Ausweisung als Spielstraße, dazu rechts oben die Parkregelung, die eben nur Parken in den ausgewiesenen Flächen erlaubt. Das scheint nicht viele zu kümmern...


Die Straße ist als Spielstraße ausgewiesen und ist als Einbahnstraße auch für Autos freigegeben, Radfahrer dürfen sie in beide Richtungen nutzen. Viele Fußgänger sind hier unterwegs, außerdem wird sie auch von Radlern gerne als Verbindung zwischen Europaplatz und Sophienstraße genutzt, sicherlich begünstigt durch die Ampelschaltung der Fußgängerampel über die Amalienstraße, die tatsächlich mal deutlich längere Grün- als Rotphasen für Fußgänger und Radler hat. 

In der südlichen Waldstraße muss man dann mit dem Rad schon etwas vorsichtig fahren, da sich der Fußgängerverkehr auch zu großem Teil auf der Fahrbahn abspielt. Das ist aber durchaus für die paar Meter zumutbar. Wem es hier zu langsam geht, muss halt einfach eine andere Route fahren.
Durch die Baustelle wird hier die Reihe parkender Autos mal unterbrochen.

Das sollte eigentlich auch für die Autofahrer gelten, die hier durchfahren und auch parken. Das Parken ist hier erlaubt, aber nur in ausgewiesenen Flächen und mit Regelungen für Anwohner bzw. mit Parkschein. Gekennzeichnete Flächen befinden sich aber nur auf der rechten Fahrbahnseite. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum auch die linke Seite praktisch zu jeder Zeit auch zugeparkt ist. Einzige Ausnahme sind die Bereiche, wo Restaurants oder Cafes eine Außenbewirtschaftung haben.

Im gesamten Bereich rund um die südliche Waldstraße hat man den Eindruck, dass regelmäßig kontrolliert wird, ob korrekt geparkt wird. Es empfiehlt sich wirklich nicht, hier mal auch nur ein paar Minuten zu parken, da es sehr schnell gehen kann und ein kleines Zettelchen am Scheibenwischer hängt. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts sind hier sehr häufig anzutreffen. 

Tatsächlich vermeidet man also normalerweise in der Gegend sein Auto nicht konform abzustellen. Warum nicht in der südlichen Waldstraße? Hat hier jemand seinen Einfluss geltend gemacht, damit die schicke Kundschaft oder man selbst mit dem dicken SUV direkt vor dem Laden parken kann und nicht womöglich auch noch ins Parkhaus fahren muss oder gar mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad anreisen müsste?
Die Nutzung für Tische und Stühle der Gastronomiebetriebe finde ich viel sympathischer. Alternativ zu Abstellflächen für SUVs könnte man ja richtig gute Fahrradständer aufstellen, die es erlauben, das Fahrrad auch anzuschließen.

Die südliche Waldstraße würde sicher noch weiter gewinnen, wenn dort weniger Autos fahren und parken würden. Man könnte damit auch insgesamt den Autoverkehr  reduzieren und wenn sich die Einzelhändler erkundigen würden, wüssten sie auch, dass damit nicht weniger, sondern im Regelfall sogar eher mehr Kundschaft kommt.  

Damit wäre mehr Platz geschaffen für einen gemütlichen Schaufensterbummel oder auch mal für eine vernünftige Abstellanlage für Fahrräder.

Einen Haken hätte die Sache schon, da ich befürchte, dass mit noch mehr Platz die Autofahrer sich hier noch weniger an das Tempolimit Spielstraße halten würden. Sobald die Geschäfte zu und weniger Fußgänger unterwegs, wird hier nämlich auch deutlich zu schnell gefahren und trotz fehlendem Platz versucht zu überholen. Für entgegenkommenden Radverkehr wird auch häufig genug nicht die Geschwindigkeit gedrosselt. Ohne die Autos auf der östlichen Straßenseite hätte man dann vielleicht zumindest die Möglichkeit auszuweichen. Jetzt bleibt oft nur die Luft anzuhalten und zu hoffen, dass es gut geht. Hier scheint in gleicher Weise ein Kontrolldruck zu fehlen wie bezüglich der illegalen Parkerei.

Eigentlich wird die südliche Waldstraße gar nicht als Durchgangsstraße für Autofahrer wirklich benötigt. Nach meiner Einschätzung könnte man sie nur für Anwohner und Lieferverkehr freigeben - warum nicht die Straße als Fußgängerzone mit Freigabe für Radler und eben Anwohner? Wer mit dem Auto von der Amalienstraße in die Sophienstraße muss, kann problemlos auch über die Hirschstraße fahren - der Umweg ist wirklich zumutbar. Von Seiten der Stadt müsste man sich nur bewusst machen, dass man dann auch entsprechend kontrollieren muss, wenn man hier wirklich eine Veränderung erreichen möchte. 

Zum Abschluss muss ich hier aber auch einen Appell an die Radler richten. Als Spielstraße haben in der Waldstraße eben doch die Fußgänger zunächst Vorrang und so gilt es auch Rücksicht auf diese zu nehmen, wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Das heißt dann einfach Geschwindigkeit anpassen und Augen auf!

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