Karlsruhe

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Montag, 19. April 2021

Nachschlag für SimRa

Das Thema Daten sammeln muss ich noch einmal aufgreifen und noch etwas Werbung dafür machen. Im Moment scheint es mir, dass einiges rund ums Thema Radfahren an Tempo gewinnt. Nach entsprechenden Berichten beim SWR (der sich hier ja sehr stark engagiert!) und auch über zumindest zweifelhafte Neuinstallationen hier in Karlsruhe berichtet, kommt plötzlich sogar die Polizei mal aus den Hufen und führt zumindest in Stuttgart erste Kontrollen von Überholabständen durch und schreibt dann sogar Strafzettel, anstatt nur kurz mit erhobenem Zeigefinger: 'Du, du, du!' zu sagen. Selbst die Stuttgarter Zeitung, die wohl sonst nicht so zu den Befürwortern einer Verkehrswende gehört, sieht sich genötigt darüber zu berichten. 

Die aufgezeichnete Strecke wird angezeigt, sobald man die Aufnahme stoppt. Dann sieht man markiert die Vorschläge, wo die App etwas Außergewöhnliches festgestellt hat und kann sie kommentieren oder man lässt es. Dann verschwinden sie nach dem Speichern. Man kann dann auch selbst Punkte setzen und ergänzen, was genau dort passiert ist. 

Zwar haben wir ähnliches leider noch nicht in Karlsruhe erleben dürfen - auch die Stadt sieht sich noch immer nicht in der Lage die neuen Überholverbotsschilder aufzustellen mit Hinweis auf fehlende Verwaltungsvorschriften! Ich frage mich dabei nur, warum es in anderen Städten, wie z.B. Berlin schon möglich ist. Aber vielleicht höhlt ja der stete Tropfen auch diese sehr widerstandsfähigen und dickfelligen Steine. 

Ganz clever, dass man die Aufzeichnung zeitlich und räumlich verzögern kann. Spannend, dass auch der Open Bike Sensor gekoppelt werden kann. Ein Open Source Projekt, bei dem man sich selbst für relativ kleines Geld einen Abstandsensor bauen kann, der den Überholabstand von Autos misst. Inzwischen sind schon etliche in Deutschland in Betrieb, aber die Polizei redet sich noch immer heraus, sie könne das nicht messen! Noch ein Nachtrag (20.4.21): Habe gerade mitgeteilt bekommen, dass sage und schreibe 100 (in Worten einhundert) davon durch Privatleute finanziert und gebaut im Einsatz sind!!!

Mit der App werden eure Fahrten aufgezeichnet. Schon während der Fahrt analysiert sie die Bewegungen und registriert Auffälligkeiten, wie starkes Bremsen oder ähnliches. Wichtig ist im Anschluss, dass eingegeben wird, wo es auf der Strecke behindernde, heikle oder echt gefährliche und auch als gefährlich empfundene Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern gab. Es werden also potentielle Unfallsituationen erfasst.

Was ist der große Vorteil davon? Bisher ist es doch so, dass bei Forderung nach Maßnahmen an der Infrastruktur oder Kontrollen, diese häufig abgebügelt werden mit dem Hinweis, dass da kein Unfallschwerpunkt wäre. Erst wenn etwas Böses passiert, dann wird plötzlich Aktivismus gezeigt und oft auch richtig Geld ausgegeben. Auch wenn man mit offenen Augen die Problematik vorher schon erkennen könnte, passiert aber so lange im Regelfall nichts. 

So sieht dann eure Tourenliste aus, nachdem ihr die Daten übertragen habt. Es könnten viel mehr sein, wenn ich wirklich jedes Mal dran denken würde, die Aufzeichnung auch zu starten. 

Mit dieser App können jetzt Daten erhoben werden, die aufzeigen, wie häufig Situationen auftreten, die sehr böse enden könnten und die auch durch das Gefühl der Gefährdung, Menschen davon abhält das Rad als Verkehrsmittel zu nutzen. Wir erleben das ja jeden Tag und könnten die Stadt mit einem Netz an kritischen Punkten pflastern, die den Druck erhöhen könnte, mehr zu tun - bei der Polizei, bei der Stadt, aber auch in Land und Bund. 

Die App ist tatsächlich nicht sehr schwer zu bedienen. Einmal hochgeladen, muss man die Einstellungen anpassen. Eine gute Funktion dabei, dass man den Aufnahmestart zeitlich und räumlich verzögern kann. Damit bleibt quasi der Startort verborgen. Ob auch der Zielort verborgen bleibt, ergibt sich leider nicht aus der direkt ersichtlichen Beschreibung. Man kann am Ende zumindest manuell die aufgezeichnete Fahrt trimmen - sprich Anfang und Ende beliebig setzen. 

Wenn man dann losfährt, startet man die App und am Ziel beendet man die Fahrt. Das ist tatsächlich für mich die größte Herausforderung, vor jeder Fahrt dran zu denken und dann am Ziel auch wieder zu stoppen. So fehlt dann doch die eine oder andere Tour, die ich unternehme. Auch ist mir aufgefallen, dass ich unterwegs zwar drauf achte, was würdig wäre eingetragen zu werden. Häufig sind es dann aber mehr Vorfälle, als ich mir merken kann. Die automatische Erkennung scheint bei meinem Fahrstil eher weniger zu funktionieren. Die von der Software gesetzten Fähnchen entsprechen meist nicht den kritischen Punkten, die ich wahrnehme. 

Da man aber die Punkte auch manuell beliebig setzen kann, ist das kein Problem. Bei der Eingabe habe ich etwas das Gefühl, dass ein paar Tastenbetätigungen weniger auch möglich wären, aber insgesamt geht das ganz geschmeidig. Bei der Vorauswahl für Ereignisse fehlen mir aber noch einige Punkte, die regelmäßig auftauchen. Als Beispiele möchte ich Missachtung der Vorfahrt, Parken auf Fahrradwegen oder auch das dichte Auffahren (zu dichtes Überholen ist mit drin!) nennen.  

Korrektur: das zu dichte Auffahren ist doch mit drin oder inzwischen mit drin. Könnte sein, dass ich das übersehen hatte. 

Links:

http://ka-radler.blogspot.com/2021/03/daten-sammeln-fur-sicheres-radfahren.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.verkehrskontrollen-in-stuttgart-radfahrer-verbotswidrig-ueberholt-23-autofahrer-gestoppt.51fb89d5-8622-4d74-9d1a-db1576f6059a.html

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/besserradfahren-in-karlsruhe-100.html

https://www.swr.de/swraktuell/umfrage-fahrradnutzung-deutschland-100.html

https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/karlsruhe-auto-schleudert-in-haltestelle./Unfall-am-Weinweg-Fahrerin-war-mit-90-km-h-unterwegs-fahrlaessige-Toetung;art6066,1126899

https://www.openbikesensor.org

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