Karlsruhe

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Montag, 8. März 2021

Geisterradler

Es gibt ja Situationen, in denen ich ein bisschen Verständnis habe, wenn man mal mit dem Rad ein kurzes Stück in 'falscher' Richtung unterwegs ist - wenn z.B. einem ansonsten ein übler Umweg zugemutet wird. Dann sollte man das aber zumindest in dem Bewusstsein macht, dass man 'falsch' fährt und auf die korrekt Fahrenden dann auch entsprechend Rücksicht nimmt. Aber mit welcher Unverschämtheit und Rücksichtslosigkeit manche fahren, macht mich manchmal fassungslos, oft wütend.

Vielleicht ist diese seltsame Rampe vom Gehweg runter ja dafür vorgesehen, dass Geisterradler hier bequem dann hoch fahren können. Jedenfalls hatte ich hier kürzlich unerwarteten Gegenverkehr. Die Frau hat wohl aber klar erkennen können, dass ich nicht 'amused' war.

Das Fahren in Gegenrichtung auf einem Radweg ist tatsächlich eine wesentliche Ursache für Radunfälle - häufig dann auch ohne Beteiligung des Autoverkehrs und dennoch mit erheblichen und unerfreulichen Folgen. Auch Kontrollen mit Erteilung von Bußgeldern sind dann durchaus angemessen und sinnvoll - sie sollten nur möglichst mit etwas mehr Fingerspitzengefühl erfolgen, als damals an der Wolfartsweierer Brücke, wo man ausgerechnet zu dem Zeitpunkt kontrollierte, als eine Baustelle die direkte Querung unmöglich machte. Die bestehende Umleitung lief über den berüchtigten Oststadtkreisel und war somit erheblich. Außerdem sollte die Stadt dann auch dringend daran arbeiten, Radwege, die für beide Richtungen freigegeben sind, zu eliminieren. Da haben wir ja in der Stuttgarter Straße ein besonders übles Beispiel, weil der dann auch noch gemeinsam mit dem Fußverkehr genutzt werden soll. Von der Qualität des Fahrbahnbelags und der Beleuchtung wollen wir gar nicht erst anfangen.

An der Stelle habe ich das bisher unglaublichste Manöver beobachten müssen. Wie kann man hier auf die Idee kommen, links auf den Radstreifen abzubiegen? Mit so etwas nimmt man schwerste Unfälle billigend in Kauf.

Was mich richtig wütend macht, wenn aber auf den vielen neu eingerichteten Radstreifen, die direkt neben der Fahrbahn laufen, in Gegenrichtung gefahren wird. Wie kann man nur auf die Idee kommen, so etwas zu machen?!?! Fehlt da jede Phantasie, um sich auszumalen, was hier passieren kann? Insbesondere für den Radler, der korrekt fahrend nicht damit rechnen kann, dass plötzlich ein Geisterfahrer daher kommt. Denn genau das ist man in diesem Moment: ein Geisterfahrer!

Leider ist das keine Seltenheit. Die selbst beobachteten Ereignisse der letzten Zeit: 

- in der Haid-und-Neu-Straße kommt ein Radler von der Parkstraße über den Gehweg (!!!), um dann in Richtung Hagsfeld ca. 50 m zu fahren, bis er in die Einfahrt des Technologieparks einbiegt

- in der Kapellenstraße in Richtung Durlacher Tor eine Radlerin, die plötzlich die Fahrbahnseite wechselt, um die letzten 30 m geisterradelnd unterwegs zu sein.

- am Wochenende ein Mann mit Kind im Anhänger, der wild über die Kreuzung am Gottesauer Platz mäandert. Ich kann nicht sicher sagen, ob er mehr Strecke legal als illegal gemacht hat.

Diese Perspektive macht es vielleicht noch deutlicher. Der erste Reflex in so einer Situation ist vermutlich auszuweichen. Bei den Überholabständen in dem Bereich kann dann schnell alles ein plötzliches Ende haben für die Beteiligten.

- der größte Knüller liegt schon etwas zurück und während ich ansonsten in den Situationen schon patzig werde, war ich hier schlicht sprachlos. Ich fahre auf der Bernhardstraße auf die Durlacher Allee zu, um dort rechts abzubiegen auf den Radstreifen zum Durlacher Tor. Da sehe ich fassungslos, wie vor mir ein Radler links abbiegend in Gegenrichtung auf den Radstreifen fährt. Es wird mir übel, wenn ich mir ausmale, was passieren kann, wenn da gerade jemand entgegenkommt - am besten in der Situation gleich noch ein LKW parallel fahrend. In so einer Situation ist für mich der Übergang von fahrlässiger zu vorsätzlicher Handlung gegeben. 

Hier wurde damals kontrolliert und die Situation ist wirklich nicht ungefährlich. Man kommt naturgemäß etwas schneller die Brücke runter, muss dann noch auf unachtsame Rechtsabbieger aufpassen - Situation wie hier hatte ich schon mal, nur Vollbremsung verhinderte, dass ich zwischen den Achsen landete - danach ist die Sicht auf den weiteren Verlauf eingeschränkt. Da sollte man definitiv nicht in Gegenrichtung fahren. Tatsächlich tun es sehr viele und man ist entsprechend aufmerksam. 

Also bitte lasst das! Wenn ihr euch selbst gefährden wollt, tut das woanders. Aber gefährdet nicht andere und schädigt dabei auch noch - selbst solange nichts passiert - den Ruf der Radfahrer, die sich ja eh an keine Regeln halten. 


Links:

http://ka-radler.blogspot.com/2019/08/bin-ich-billig-dran-gekommen.html

Kommentare:

  1. Hallo Thomas, das ist eigentlich nichts anderes wie die vielen Radfahrer die auf den Gehweg unterwegs sind. Gerade an Häuserecken, Hauseingängen ist dies sehr gefährlich für Fussgänger. Bei Ausfahrten eher für den Radfahrer, da habe ich dann kein Mitleid.

    Ich verstehe einfach nicht wie man als Radfahrender, man hat ja keine Knautschzone, einen Gehweg benutzen kann. Genausowenig verstehe ich, dass man als Autofahrer auf einem Geh-/Radweg das Auto abstellt. Auch erlebe ich oft die Unsitte, dass Autofahrer über den Gehweg ausweichen wenn es eng wird. Einfach mal langsam zu machen bzw. stehen zu bleiben ist da keine Alternative.

    Von meinem Verständnis her müssen Radwege auch nicht beleuchtet sein. Die Radfahrer haben selbst für ihre Sicherheit zu sorgen und im Zeitalter der LED - Beleuchtung ist eine richtige Fahrradlampe (keine dieser für den Gegenverkehr irritierenden Stirnlampen) das richtige Mittel.

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    1. Das Gehwegradeln ist noch eine andere Geisel - allerdings ähnlich geartet. Da gebe ich dir volle Zustimmung. Da ist für mich die Bahnhofstraße so ein Musterbeispiel - denn spätestens seit die Busse dort nicht mehr durchfahren, kann man da wirklich die Fahrradstraße eine Fahrradstraße nennen.
      Die Bemerkung mit Beleuchtung in der Stuttgarter Straße rührt daher, dass kurz vor dem Tivoli, die Straßenbeleuchtung blendet, aber der Weg durch die parkenden Autos komplett im Dunkeln liegt.

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